Streifenfundament

Fundament zu klein und ohne Bewehrung

17. April 2013

Dieses Wohnobjekt oder Einfamilienhaus ist im Landkreis Oldenburg im Jahr 2012 erstellt worden. Mittlerweile ist der Bauträger insolvent. Für die Schäden am Haus kommt keiner mehr auf, außer der Bauherren selbst; und die haben das Haus mit einem Kredit finanziert.

Im Winter 2012 wurde ich durch die Bauherren beauftragt, das Objekt auf Baumängel zu untersuchen. Im Sommer des gleichen Jahres wurden die Bauherren schon durch einen Oldenburger Baudesigner/Architekt auf etwaige Baufehler aufmerksam gemacht. Dieser Architekt empfahl den Bauherren, sich schleunigst einen externen Baubetreuer oder Sachverständigen zu suchen. Schon im Sommer brachte der Baudesigner mich als Baubetreuer ins Spiel. Die Bauherren winkten allerdings ab, denn das würde das Budget sprengen.

Im Frühjahr 2012 rief mich der Architekt an und wir fuhren zum Bau. Nach kurzer Besprechung wurde ich dann trotzdem mit dem Aufspüren von Baumängeln beauftragt. In diesem Bericht schildere ich erst einmal einen nicht wiedergutzumachenden Baumangel.

Als ich das von den Bauherren selbst fotografierte Bild sah, vermutete ich, dass die Streifenfundamente nicht die Frostfreiheit garantieren können. Eigentlich sollten diese 80 cm tief sein. Gemessen haben ich nicht einmal 60 cm Tiefe. Ebenfalls sieht man auf dem Bild, die Betonoberfläche wurde mit eingebauten Pflanzenwurzeln und krumm und schief erstellt.

Ich habe die Bewehrung in dem Streifenfundament gesucht. Die Bauherren erzählten mir von einem Stahlfaserbeton, dieser soll dort eingebaut worden sein. Nach genauer Untersuchung optisch als auch mit einem Magneten konnte ich keine Stahlfasern ausfindig machen. In den Lieferscheinen werde ich fündig: Es wurde kein Stahlfaserbeton geliefert.

Das geschuldete „Bau-Soll“ war ein Streifenfundament mit den Abmessungen von 40 x 80 cm und mit Stahlfasern oder wie im nebenstehendem Bild einer anderen Baustelle, die ich betreut habe, dargestellt. Ob in der Gründungsplatte / Fundamentplatte genug oder überhaupt Eisen eingebaut wurde, sollte hier nicht weiter untersucht werden.

Die Aufgabe einer Bewehrung

Die Bewehrung (aus Stahl oder neuerdings Carbon) dient im umschlossenen Verbund mit dem Beton der Verstärkung des so genannten Tragverhaltens. Beton kann dadurch besser Druckkräfte aufnehmen, auftretenden Zugkräfte und Biegezugkräfte. Bei Säulen oder anderen Stützelementen nimmt die Bewehrung im Beton die Druckkräfte ebenfalls mit auf. Das Gute in der Kombination von Stahl und Beton sind die fast identischen Ausdehnungsmaße, der Ausdehnungskoeffizient. Es gibt darüber hinaus auch noch Spannbeton, der hier nicht näher erläutert werden soll.


Früher hat man die Fundamente auch gemauert ohne Bewehrungseisen (abgetrepptes Fundament). Die Häuser stehen heute noch aber es war eben eine andere Bauweise. Die Bauherren haben aber für Stahlfaserbeton bezahlt. Ohne Bewehrung stimmt die ganze Statik nicht mehr. Wann hier die ersten Risse im Haus entstehen kann ich nicht genau sagen.


Eine sorgfältige Berechnung der Statik ist das Maß aller Dinge am Bau. Kein Laie sollte sich anmaßen, eine Statik zu entwerfen. Statik ist eine Königsdisziplin und darf nie dem Zufall überlassen werden. Ein guter Statiker beherrscht die Anatomie des Hauses.

Der Wert der Immobilie ist unter anderem durch diesen Schaden jedoch stark reduziert. Sollten die Bauherren dieses Objekt verkaufen wollen, müssen sie den Käufer auf die Mängel hinweisen, ansonsten machen sich die Besitzer des vorsätzlichen Betrugs strafbar.

Wenn Sie solch einen Schaden vermeiden wollen, beauftragen Sie einen gewissenhaften Baubetreuer oder Bauberater.

Die festgestellten Schäden an diesem Haus sind so hoch, dass der Restwert der 4 Monate alten Immobilie bei geschätzten 60.000 € Liebhaberpreis liegt. Denn das Grundstück ist sehr schön und über 1.000 m² groß.

Von diesem Objekt werde ich noch in mehreren Schadensfällen berichten.