Bauschaden am Haus durch Wärmebrücke

Geometrische und Material bedingte Wärmebrücke

02 Mai 2011

Hier war ich nur zufällig als Sachverständiger für Schimmelpilzsanierung anwesend.

Hier erkennt man eine Ecke im Fußbodenbereich, in der sich Schimmel gebildet hat. Außen erkennt man die sichtbare geometrische Wärmebrücke, früher sagte man auch Kältebrücke. Der Wärmedämmwert ist an dieser Stelle geringer, weshalb es hier zu einem größeren Wärmeabstrom kommt, deshalb die Bezeichnung Wärmebrücke.

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Hier wird nur die Ecke schematisch (mit sog. Zöllstöcken) dargestellt. Bei einer Wanddicke von etwa 30 cm ergibt sich ein Längen- oder Flächenverhältnis von etwa 60 cm außen und 30 cm innen oder 2 zu 1. Das bedeutet, 2 Anteile kalte Fläche wirken auf 1 Teil warme Innenfläche. Der Wärmeabfluss ist in dieser Ecke höher als an den übrigen Flächen. Bei dieser so gewählten Konstruktion der Hausecke potenziert sich die Fläche noch um die untere Fläche.

Häufig sehen Sie das gleiche Phänomen im Bereich des Fußbodens oder in der oberen Ecke eines Raumes gegen Außenwände oder Wände mit niedriger Temperatur (Wohnzimmer und unbeheiztem Abstellraum mit offenen Türen).

So ausgeführt wie an diesem Bauteil ist der „Taupunkt“ in der Ecke. Der nachfolgend dargestellte Vergleich hinkt etwas, doch wenn Sie eine Cola Dose aus dem Kühlschrank holen, zeigt sich nach etwa zwei Minuten schon Kondensat auf der Oberfläche der Dose. In der oben beschriebenen Innenraumecke entsteht ebenfalls Kondensat. Wenn die Lebensbedingungen dann auch noch gut sind, entwickelt sich zügig Schimmel.


Leitsatz am Bau: Es ist gleichgültig, was vereinbart wurde, die Leistung muss funktionstauglich sein!


Außerdem erkennt man im unteren Bereich des Bildes ein wenig den eingebauten Stahlträger. Der so eingebaute Eisenträger fungiert zusätzlich zur geometrischen Wärmebrücke als Kälterippe. So wird aus dieser Bauweise noch eine Material bedingte Wärmebrücke.

An vielen älteren Häusern (etwa vor 100 Jahren) kann man an solchen Ecken einen ungefähr bis 5 cm dicken Aufputz sehen. Dieser Aufputz entspannt die Lage in dem Bereich meistens schon. Würde man in beiden Fällen der Eckausbildung, die sogenannten „Isothermen“ auf dem Papier einzeichnen, wäre eine andere Lösung ausgeführt worden.

Isothermen sind sogenannte Wärmestromlinien, mit denen man ein Temperaturgefälle in einem Detail darstellen kann. Heute geht es noch leichter. Ein Fachkundiger kann in einem Wärmebrückenkatalog nachsehen. Bereits zur Erstellungszeit des Hauses gab es schon vereinfachte Wärmebrücken-Nachweise, die man hätte heranziehen können.